Am 28. Januar begann für die hochschwangere Alexandra ein zunächst ruhig wirkender Morgen. Während ihr Mann den älteren Sohn in den Kindergarten bringt, meldet sie sich aufgrund einsetzender Wehen bereits telefonisch im Kreißsaal und kündigte an, dass sie sich langsam auf den Weg macht.
„Ich habe eigentlich gedacht, wir können noch ins Krankenhaus fahren und war noch ganz entspannt.“
Als ihr Mann gerade zurück ist, platzte die Fruchtblase und die Situation nimmt innerhalb weniger Minuten eine unerwartet schnelle Wendung. Zügig setzen schon die ersten Presswehen ein und es ist klar, dass es nicht mehr möglich ist, rechtzeitig ins Krankenhaus zu kommen, weshalb sie die 112 wählen.
Kein alltäglicher Notruf
Um 07:24 Uhr zeigt die Kommunikationsanlage der Integrierten Leitstelle Bodensee-Oberschwaben einen eingehenden Notruf an, den Notrufsachbearbeiterin Silke Helfert nach wenigen Sekunden annimmt. Nach den ersten Fragen erkennt Silke sofort den Ernst der Lage und übergibt den Einsatz im Hintergrund schon an den Disponenten, der zeitgleich einen Rettungswagen sowie den Notarzt alarmiert.
„Es war sehr schnell klar, dass das Kind zu Hause auf die Welt kommen wird, dass wir keine Zeit mehr hatten.“
Da der Wohnort der Familie weiter entfernt von der nächsten Klinik und einer Rettungswache liegt und die Einsatzkräfte entsprechend Anfahrtszeit benötigten, unterstützt Silke die werdenden Eltern telefonisch bei der laufenden Geburt. Sie erklärt Schritt für Schritt, wie die Geburt zu Hause bestmöglich begleitet werden kann, was durch die Mitarbeit der Eltern hervorragend funktioniert.
Doch als der kleine Valentin das Licht der Welt erblickt, herrscht zunächst Unsicherheit, da keine Atmung erkennbar ist. Erneut gibt Silke klare und ruhige Anweisungen, diesmal zur Beatmung des Neugeborenen, die die Eltern erfolgreich umsetzen und veranlasst zeitgleich die vorsorgliche Alarmierung des Baby-Notarztwagens und eines Babynotarztes aus Ravensburg, welcher bei Bedarf zur Versorgung des Neugeborenen eingesetzt wird.
„Er hat dann aber ordentlich genossen und damit Schleim ausgeschieden. Dadurch hat er es geschafft, richtig durchzuatmen und dann hat er angefangen zu schreien“, beschreibt Mutter Alexandra die ersten Sekunden ihres Sohnes.
Ein entscheidender Moment für alle Beteiligten. Auch für die Leitstellenmitarbeiterin war dieser Augenblick emotional: „Als ich den Kleinen habe schreien hören, war das natürlich schon eine große Erleichterung für mich“, so Silke.
Kurz nach den ersten Atemzügen treffen der Rettungswagen sowie der Notarzt mit dem Rettungshubschrauber ein. Vor Ort wird das Neugeborene untersucht, fachgerecht abgenabelt und anschließend gemeinsam mit der Mutter ins Krankenhaus transportiert.
Besuch auf der Leitstelle
Fünf Wochen später kann Alexandra beim Besuch der Leitstelle dankbar zurückblicken und ihre Helferin am Telefon persönlich treffen:
„Es war für uns wirklich eine große Hilfe, dass Silke dauerhaft am Telefon war, jeden Schritt angeleitet und Ruhe vermittelt hat.“ Und das, obwohl auch für die erfahrene Notrufsachbearbeiterin diese Situation alles andere als alltäglich war.
Auch aus Sicht der Leitstelle unterstreicht dieser Einsatz die Bedeutung standardisierter Abläufe sowie der personellen Ressourcen, um Notrufende bei Bedarf bis zum Eintreffen der Rettungskräfte kontinuierlich begleiten zu können. Dabei zeigte sich auch, dass die enge Zusammenarbeit von Notrufannahme, Disposition und den Einsatzkräften der verschiedenen Organisationen wesentlich zur gelungenen Patientenversorgung beiträgt.
